Myofasziale Leitbahnen

In unserem letzten Blogbeitrag haben wir über myofasziale Leitbahnen gesprochen und wie wichtig die Muskelketten für eine effiziente und funktionelle Bewegung sind.

Wenn man sich diese myofaszialen Leitbahnen anschaut, stellt man schnell fest, dass alle Leitbahnen einen Kreuzungspunkt am Becken haben.

Vorderseite des Beckens; Am vorderen oberen Darmbeinstachel (SIAS) laufen mehrere myofasziale Leitbahnen zusammen

 

Rückseite des Beckens; sichtbar ist die rückwärtige myofasziale Leitbahn

Das zeigt bereits die Bedeutsamkeit der Beckenregion, und welchen Einfluss eine gestörte Beckenfunktionalität auf die Beine, aber auch auf die Wirbelsäule haben kann!

Um die Wichtigkeit der Beckenstabilität zu verdeutlichen werden wir das am Beispiel des Läufers verdeutlichen.

Der Gang bzw. das Laufen ist ein komplexer Bewegungsablauf, der das Zusammenspiel vieler Muskeln erfordert.

Die Unterteilung des Körpers

In vielen Fachbüchern wird der Körper in einen Lokomotor (Beine) und in einen Passagier (Oberkörper) untergliedert. Während der Lokomotor in dieser Theorie für den Vortrieb verantwortlich ist, sitzt der Passagier oben auf und wird lediglich befördert. Jedoch zeigen neueste wissenschaftliche Untersuchungen, dass dieses Modell veraltet ist.

Das Faszienmodell

Das Faszienmodell ist bereits seit längerer Zeit bekannt, wurde aber lange Zeit belächelt, da den Faszien in der Vergangenheit keinerlei Beachtung geschenkt wurde. In den letzten Jahrzehnten der Faszienforschung wurde aber die Wichtigkeit der Faszien nachgewiesen, u.a. durch Forscher, wie bspw. Ida Rolf, der Begründerin des „Rolfing“, Dr. Robert Schleip oder auch Thomas Myers, der Autor des Buches über die Grundlagen der Faszien: „Anatomy Trains“. Dank Forschern wie ihnen, ist mittlerweile klar, dass Faszien nicht einfach nur Muskeln einhüllen, sondern dem Körper vor allem Stabilität und Flexibilität verleihen und Muskeln miteinander verbinden. Damit ist ein Kraftschluss über einzelne Muskeln hinweg möglich, und die effiziente menschliche Bewegung wird somit erst möglich.

Muskelspannung

Es wurde nachgewiesen, dass die Faszien die Spannung der Muskulatur aufnehmen und über Muskelgruppen hinweg weitergeben. Mit diesem Wissen wird auch die Wichtigkeit des Rumpfes im Gang und auch beim Laufen ersichtlich, denn der Rumpf verbindet den Oberkörper mit den Beinen. Während die Beine den Vortrieb generieren, stabilisiert der Oberkörper die Beinarbeit, indem er reziprok die Bewegung der Beine ausgleicht. So kann der Körper die Balance halten und schnell vorwärtskommen, ohne viel Energie darauf anzuwenden. Ist diese Verbindung zwischen Oberkörper und Unterkörper nun gestört, kann das zu Schmerzen und Dysbalancen führen.

Das Becken als Bindeglied

Wie eingangs bereits erwähnt, ist das Becken die Verbindung zwischen Oberkörper und Unterkörper und nimmt eine wesentliche Stellung für eine schmerzfreie und gesunde Fortbewegung ein.

Die tiefen Bauchmuskeln sind bspw. über das Becken mit den Adduktoren verbunden. Diese Muskelkette ist für die kontralaterale Reziprozität (Rotation) des Oberkörpers verantwortlich. Der vordere Oberschenkel ist über das Becken mit dem rectus abdominis (oberflächlicher Bauchmuskel) verbunden. Die oberflächliche Linie (OFL) ist maßgeblich an der Vorbeugung des Körpers beteiligt.

Auswirkungen von Muskeldysbalancen

Wenn bspw. der vordere Oberschenkel (i.e. rectus femoris) verkürzt ist, wird er einen erhöhten Zug auf das Becken ausüben und das Becken mit dem unteren Rücken ins Hohlkreuz ziehen. Dabei wird die untere Rückenmuskulatur (i.e. Muskulus quadratus lumborum) unter erhöhte Spannung gesetzt, was zu Überlastungserscheinungen im unteren Rücken führen kann (e.g. Lumbalgie). Gleichzeitig wird die hintere Oberschenkel Muskulatur überdehnt, was zu einer schnellen Überforderung unter Belastung führen kann. Das zeigt sich dann oft in Krämpfen im hinteren Oberschenkel.

Ist die tiefe Bauchmuskulatur aber stark genug, um das Becken stabil zu halten, kann sie ein Gleichgewicht zum „verkürzten“ vorderen Oberschenkel bilden, und dem erhöhten Zug entgegenwirken. Damit verringert sich gleichzeitig die Spannung im unteren Rücken.

Das gleiche Prinzip findet beim Patellaspitzensyndrom statt. Eine instabile Rumpfstabilität kann durch Verkürzung des vorderen Oberschenkels zu einem erhöhten Zug auf die Patellasehne führen.

Prüfe Deine Rumpfstabilität!

Wenn Du also ein Problem mit der Hüfte, den Knien oder mit den Füßen hast, kann das Problem in einer Rumpfinstabilität liegen!