Faszienleitbahnen des Körpers

Muskeln und Faszien sind eine Einheit. Faszien haben aber auch eigenständige Funktionen in der Bewegung und darüber hinaus für die Statik und Haltung des Körpers sowie für die Körperform.

Die Funktion der Faszien für die Muskeln ist – rein anatomisch gesehen – als Hülle rund um die Muskelfasern und Faserbündel und um den ganzen Muskel zu liegen.

Welche Funktion haben die Faszien außerdem?

Der Übergang von Knochen und Sehne ist fließend. Sehnen sind straffes Fasziengewebe aus dicht gepackten und besonders kräftigen Kollagenfasern. Die Sehnen gehen in den Muskel über, ebenfalls über spezialisierte Bindegewebszellen. So entsteht ein Kontinuum von faszialem Gewebe, das die mechanische Kraft des Muskels hält und weitergibt.

Die Rolle des Übermittlers

Dass die Kraft aus dem Muskel überhaupt an der Sehne ankommt und ihr Zug den Knochen erreicht, liegt an den Faszienhüllen in und um den Muskel. Sie übernehmen die Rolle des Übermittlers von Kraft. Durch die Kontraktion der Muskelzellen erhalten die Faszien Spannung und gegeben diese weiter. Man könnte die Faszien mit einer Feder vergleichen.

Der menschliche Gang

Menschen sind bekanntlich besonders ausdauernd beim Gehen. Dank der Katapultmechanik (= vorgespannte Feder oder Gummiband) wird beim Gehen rund 70% weniger Muskelarbeit benötigt als beim Joggen. Das kommt durch eine ganze Kette von Faszien zustande, die von der großen Plantarfaszie in den Füßen über die Achillessehne an der Ferse über eine Muskel-Faszien-Kette bis hinauf in den Rücken reicht. Denn Faszien und Muskeln arbeiten in Einheiten zusammen, die größer sind als nur ein Muskel mit zwei Ansatzpunkten an einem Knochen.

Dass wir so ausdauernd gehen können, verdanken wir einer der großen Faszienbahnen, die sich durch den ganzen Körper ziehen, in diesem Fall der rückwärtigen Linie. Die reicht über die Füße und Beine samt Achillessehne bis in den Rücken zur großen Lendenfaszie und sogar weiter hinauf in den Nacken bis zum Kopf. Weil in dieser Kette eine Menge Energie in den Faszien wieder freigegeben werden kann, ist der menschliche Gang so effizient und ausdauernd.

Fazit

Wenn die Muskeln Probleme bereiten, kann die Ursache ebenso an den Faszien liegen. Gleichzeitig sind die Muskeln über diese myofaszialen Leitbahnen miteinander verbunden, so dass eine muskeläre/fasziale Verspannung an einer Stelle in dieser Leitbahn, die gesamte Leitbahn beeinträchtigen kann.

Deshalb ist es so wichtig ganzheitlich zu denken und muskuläre Einschränkungen nicht nur lokal zu behandeln, sondern auch global zu prüfen.

Zum Abschluss findest Du nun eine Übersicht über die wichtigsten myofaszialen Leitbahnen im Körper.

Die wichtigsten myofaszialen Leitbahnen im Körper

Unser Körper ist ein ganzes Netzwerk von verschiedenen Spannungselementen. Darin lassen sich nun einige größere, lange Muskel-Faszien-Ketten identifizieren. Die myofaszialen Leitbahnen spielen für Koordination und geschmeidige Bewegung eine große Rolle. Daher müssen sie im Training angesteuert und aktiviert werden.

Isolierte Übungen für einzelne Muskelgruppen wie im normalen Krafttraining reichen dafür nicht aus, weil die Fernverbindungen über den ganzen Körper damit nicht erreicht werden.

Die Bilder zu den Faszienbahnen sind in Anlehnung an Thomas Myers Fachbuch „Anatomy Trains“

Die oberflächliche Rückenlinie

Sie verläuft von den Füßen (Plantarfaszie) über den Rücken, Nacken, Schädel bis zu den Augenbrauen, stütz und schützt den Rücken und ist verantwortlich für die aufrechte Haltung und die Streckung des Oberkörpers nach oben und hinten.

Die oberflächliche Frontallinie

Diese vordere Linie verläuft von den Zehen bis zum Becken, dann über den Bauch bis in den Hals und zum Kopf. Zwar ist sie zweitgeteilt, doch im aufrechten Stand agiert sie wie eine einheitliche Zuglinie von unten nach oben. Ihre Aufgabe ist die Stabilisierung des Oberkörpers in der Haltung, außerdem macht sie Bewegungen und Beugungen, Heben und Senken des Oberkörpers möglich.

Die Laterallinien (Jeweils links und rechts am Körper)

Diese Zugbahnen verlaufen jeweils seitlich am Körper und klammern beide Außenseiten ein. Die Laterallinien beginnen oben an der Außenseite des Fußes, gehen außen um den Fußknöchel herum, weiter nach oben und dann wie ein Korbgeflecht an der Seitenlinie des Rumpfes bis zum Kopf. Sie sorgen für Balance zwischen der vorderen und der hinteren Linie, fixieren Rumpf und Beine, damit sie nicht einknicken, und sind an der Seitwärtsneigung des Körpers beteiligt, außerdem bremsen sie zu starke Neigung und Rotationen.

Die Spirallinie

Die Spirallinie windet sich um den Körper, sie ermöglicht Rotationen des Körpers und gegeläufige Bewegungen. Sie umhüllt den Körper wie eine Doppelspirale. Ihre Haltungsfunktion besteht darin, dass sie das Gleichgewicht in allen Ebenen gewährleistet. Ihre Bewegungsfunktion liegt einmal darin, dass sie beim Gehen eine exakte Spurführung gewährleistet, außerdem erzeugt sie Rotationen und stabilisiert den Körper.